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Langjährige Haftstrafen für Eltern des verhungerten Florian - 1/1
AFP vom 15.8.2008   1237 Aufrufe    Leserwertung: 0,0 (0 User)
Rubrik: Nachrichten - Vor Gericht

Langjährige Haftstrafen für Eltern des verhungerten Florian

Mutter wegen psychischen Problemen vermindert schuldfähig

Die Eltern des im Februar verhungerten Florian sind vom Landgericht Frankfurt an der Oder wegen gemeinschaftlichen Totschlags durch Unterlassen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Gegen die 20-jährige Mutter Ulrike D. verhängte die Strafkammer am Freitag wegen erheblich verminderter Schuldfähigkeit sieben Jahre Jugendhaft. Der 21-jährige Vater Manuel D., der die Altersgrenze für eine Jugendstrafe zum Tatzeitpunkt bereits um mehr als zwei Monate überschritten hatte, erhielt eine zehnjährige Haftstrafe nach Erwachsenenstrafrecht.




Das Gericht blieb hinter den Strafanträgen der Staatsanwaltschaft zurück, die auf Mord aus niederen Beweggründen plädiert und siebeneinhalb sowie zwölfeinhalb Jahre Gefängnis beantragt hatte. Das Gericht verwarf die Mordthese der Staatsanwaltschaft. Nach Überzeugung der Strafkammer beruhte der durch Verhungern und Verdursten ausgelöste Tod des im August 2007 geborenen Florian auf einem Beziehungsstreit, den beide Angeklagten jedoch nicht offen austrugen. Beide seien für die Versorgung des Kindes noch nicht reif genug gewesen. Zudem sei es durch den schwelenden Beziehungsstreit zu schwer wiegenden Missverständnissen bei der Versorgung des Kindes gekommen. Bei der Mutter würdigten die Richter einen völligen Beziehungsverlust zum Kind, der durch eine Depression ausgelöst wurde.

In der mündlichen Urteilsbegründung heißt es, die fehlende Verständigung darüber, wer für die Versorgung des Kindes verantwortlich ist, sei letztlich die Ursache des Todes. Obgleich Verwandte die Eltern auf das abgemagerte Kind hinwiesen, habe das junge Paar den Beziehungskonflikt nicht lösen können. Letztlich hätten die Eltern das Überleben Florians dem Zufall überlassen. Die beiden arbeitslosen Eltern verbrachten einen Gutteil ihrer Zeit mit Computerspielen, durch die sie in eine andere Welt flüchten konnten.

Die Eltern hatten sich nach eigenen Angaben darauf verlassen, jeweils der andere habe das Baby bereits versorgt. Am 13. Februar konnte der Notarzt nur noch den Tod des halbjährigen Säuglings feststellen. Er wog wegen chronischer Unterernährung zum Todeszeitpunkt weniger als bei seiner Geburt.

15. August 2008 - 16.02 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2008


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